Gemeinsam unterwegs zum Steinbeis Papierwerk Glückstadt

Mit insgesamt 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machten wir uns früh morgens um 8:30 Uhr vom Lübecker Hauptbahnhof auf den Weg nach Glückstadt. Die Anreise über Hamburg verlief zunächst ohne Probleme und die Vorfreude auf die Besichtigung des Steinbeis Papierwerkes war bei allen deutlich spürbar. Vor Ort angekommen, erwartete uns nicht nur ein spannender Einblick in moderne Papierproduktion, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie nachhaltige Industrie, gute Ausbildung und starke Gewerkschaftsarbeit Hand in Hand funktionieren können.

Bereits beim Betreten des Werkes wurde deutlich, dass Nachhaltigkeit hier nicht nur ein Schlagwort ist. Das Steinbeis Papierwerk gehört seit Jahrzehnten zu den Vorreitern der Kreislaufwirtschaft. Produziert wird hier ausschließlich aus Altpapier – ganz ohne frische Holzfasern. Damit trägt das Unternehmen seit den 1970er Jahren das Umweltzeichen „Blauer Engel“ und setzt bis heute Maßstäbe für ressourcenschonende Papierproduktion.

Durch das Werk geführt wurden wir von Luise und Jörg. Luise hat selbst bei Steinbeis gelernt, anschließend studiert und führt heute regelmäßig Besuchergruppen und Schulklassen durch das Werk. Mit viel Fachwissen und Begeisterung erklärte sie uns die technischen Abläufe der Papierherstellung. Besonders spannend war dabei der Prozess des sogenannten Deinkings – also der Entfernung der Druckfarbe aus dem Altpapier. Das gesammelte Papier wird zunächst mit Wasser vermischt und zu einem Faserbrei verarbeitet. Anschließend werden mithilfe von Seifen, Luft und verschiedenen technischen Verfahren die Farbpartikel aus dem Papier gelöst. Die Druckfarbe steigt dabei in Form von Schaum an die Oberfläche und wird abgeschöpft. Erst dadurch entsteht wieder ein sauberer Papierrohstoff, aus dem neues hochwertiges Papier produziert werden kann.

Im weiteren Produktionsprozess wird die gereinigte Papiermasse entwässert, gepresst und auf riesigen Papiermaschinen getrocknet. Besonders beeindruckend war die Größe der Anlagen und die Geschwindigkeit, mit der dort neues Papier entsteht. Auch das werkseigene Kraftwerk zeigt, wie durchdacht die Produktion organisiert ist. Durch eigene Energieversorgung können Prozesse effizient gesteuert und Ressourcen optimal genutzt werden.

Produziert werden im Werk unter anderem die bekannten Kopierpapiere der Reihen Steinbeis No. 1 bis No. 4 sowie Etikettenpapiere und weitere Spezialprodukte. Gerade in Zeiten steigender Bedeutung nachhaltiger Produktion wurde deutlich, wie wichtig solche Konzepte für die Zukunft der Industrie sind.

Neben der Technik standen auch die Menschen hinter dem Werk im Mittelpunkt. Jörg, der seit 2002 Mitglied des Betriebsrates und seit 2007 freigestellter Betriebsratsvorsitzender ist, gab uns tiefe Einblicke in seine Arbeit und die Veränderungen der Arbeitswelt. Gleichzeitig ist er stellvertretender Vorsitzender des IGBCE-Bezirksvorstandes und damit ein Beispiel dafür, wie wichtig engagierte Gewerkschaftsarbeit in den Betrieben ist.

Besonders eindrucksvoll war seine Schilderung der schwierigen Zeit im Jahr 2006, als sich das Unternehmen in wirtschaftlichen Problemen befand. Gemeinsam mit Gerhart verhandelte er damals den Sozialplan. Durch Kreativität, Verhandlungsgeschick und die Zusammenarbeit von Betriebsrat, Gewerkschaft und Arbeitgeber gelang es, den Standort langfristig zu sichern. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie erfolgreiche Mitbestimmung Arbeitsplätze erhalten und Zukunft gestalten kann.

Beeindruckend waren auch die Zahlen zur Ausbildung. Von rund 360 Beschäftigten befinden sich derzeit 41 junge Menschen in Ausbildung. Damit begegnet das Unternehmen aktiv dem demographischen Wandel und investiert gezielt in die Zukunft des Standortes. Der Organisationsgrad spricht ebenfalls für sich: Rund 80 % der Beschäftigten sind Mitglied der Gewerkschaft, bei Azubis und Studierenden sogar 95 %. Jörg betonte mehrfach, wie wichtig Vernetzung und Austausch zwischen den Betrieben sind – besonders für junge Kolleginnen und Kollegen. Sein Appell: Gewerkschaft lebt davon, voneinander zu lernen und gemeinsam stärker zu werden.

Nach der interessanten Führung ließen wir den Tag gemeinsam am Glückstädter Hafen ausklingen. Bei gutem Essen und direktem Blick auf die Segelboote konnten viele Eindrücke noch einmal in Ruhe besprochen werden.

Die Rückreise entwickelte sich dann allerdings zu einem kleinen Abenteuer. Wegen einer Oberleitungsstörung in Hamburg kam es zu mehreren Zugausfällen. Unsere Fahrt endete zunächst in Elmshorn, wo wir warten mussten, bis uns irgendein Zug wenigstens bis Pinneberg mitnahm. Dort angekommen, erwarteten uns überfüllte Bahnsteige und eine komplett ausgelastete S-Bahn. Teilweise mussten wir uns regelrecht in die Züge quetschen und später nochmals umsteigen. Erst ab Hamburg Hauptbahnhof wurde die Rückfahrt nach Lübeck wieder entspannter.

Trotz der turbulenten Heimreise bleibt ein rundum gelungener Tag in Erinnerung. Unser besonderer Dank gilt dem Steinbeis Papierwerk dafür, dass wir so herzlich empfangen wurden, ebenso Jörg und Luise für die spannende Führung und die offenen Einblicke in ihre Arbeit. Danke auch an alle Mitreisenden für die tolle Gemeinschaft und vor allem an Torsten für die hervorragende Organisation und Umsetzung dieses gelungenen Tages.

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